Schichten schichten  

Schichtweise gehe ich vor
Schichte übereinander, was mir in die Hände kommt
Eine Farbschicht über die vorige
Ein Stück Papier, eine Blüte, ein Blatt
Verdeckt, versteckt, was vorher war
Schicht für Schicht erschaffe ich einen schützenden Mantel
Mehrfach gefüttert mit seidenen Farben
Umhülle den Ursprung, den Anfang und doch:
Jede neue Schicht ist Neubeginn
Nichts bleibt beim Alten
Kleine und große Veränderungen nehmen ihren Lauf
Schon gibt es Unterschichten, Mittelschichten, Oberschichten
Und jede Oberschicht kann schnell
Zur Unterschicht werden, wenn ich es will
In den Schichten bilden sich GeSchichten
Sie erzählen von meiner Stimmung, meinem Erleben,
Von dem, was gerade ist oder eben war
Alles fließt von Schicht zu Schicht
Ich sehe die in Fels gehauene Straße
Rechts oder links die Gesteinsschichten
Die in farbigen Bändern und Linien schreiben
Umbra, siena und tiefrot golden

Schichtweise gehe ich vor
Ein Wechselspiel vom Auf und Ab der Schichten
Ich löse Schichten wieder auf,
Reiße ein, weiche auf, lege frei
Dringe zu tieferen Schichten vor
Kehre zum Ursprung zurück
Mache sichtbar, was weg war
Erschaffe Verbindung zwischen alt und neu
Alte Schichten lichten, sichten, neu gewichten
Jahrelang von der S-Bahn aus im Vorbeifahren
Dem Verfall der Ruine zugeschaut
Schicht für Schicht die Tapeten in Fetzen
Zeugnis verschiedener Generationen
Das Waschbecken wie ein Schwalbennest
Halb aus der Wand
Zerfall erzählt von Wandel
Tagebücher wären zu füllen
Zeit festgehalten in Schichten



HerbstZauberKraft

 

In diesem Moment

HerbstZauberKraft

Stille des Sonntagsgartens

Mild wärmendes Licht

Samtig verwöhnend

Gerundete Kiesel durcheinander

In weißgrauem Schimmer

Gefallene Blätter im Mosaik

SchilfGräser winken im Wind

ZitterWellen im Wasser

Gespiegelte Steine halten den Platz

Verdeckt versteckt nah dem Boden

Das Rotkehlchen heimlich beschäftigt

Halb hüpfend halb fliegend

FliederBuschBlätter glänzen

Von Sonne durchwebt

PianoKlänge aus offenem Fenster

Hoch oben Kraniche

Fliegende PerlenKetten

In blauen Himmeln

Auf südlichem Kurs

Lila Sterne reiten den Zaun

Im Gegenlicht tanzende Schatten

SpinnenFäden segeln nach Nirgendwo

Roter Weinblätter FestGewand

Verschwenderisch leuchtend

Rund um das Haus

Noch Geschmack vom Sommer

Und doch schon ist Herbst



   Nervatora  1



 Zweige, Reisig, Blätter und Ranken

 Filigran flächiges Miteinander

 Verästelt  verädert, was oben  was unten

 Nicht eindeutig sichtbar

 Namenlos Wesen von Schatten erschaffen

 Bewegt und bestimmt vom Einfall des Lichts

 Geworden gewachsen gewesen

 Hier fällt ein Blatt und da fliegt es hin

 Weiß auf schwarz auf blau auf gelb

 Die Zeit zeichnet mit

 Wege ins Land und wieder hinaus

 Orientierung versteckt

 Fedriger Hauch vom Vergehen im Herbst



   Nervatora 2

Blatt fügt sich zu Blatt

Rot zu weiß und weiß zu rot

Drei Blumen auf den Weg

Zum Entschlüsseln der Pläne

Die Blätter dünnhäutig samtig

Von Adern gezeichnet

Inseln darin

Verzweigungslinien

Verwebten Erinnerungen gleich

Antennen wie suchende feingliedrige Finger

Der tanzende Zweig in der Mitte

Geheimnis der blauweißen Tür im Innern

Was bleibt hinter dem roten Blatt verborgen

Verbunden im Blick der Mann und die Frau

Naturgeerdet faltig geprägt

Umrahmt von Blüte und Blatt

Vom Geäst der Muster des Lebens

Gesät und geerntet und lustvoll genossen

Bis das Ende einst trennt

Und Verwandlung im Neuen beginnt


    Mandolinen Lautenklang

Mandolinen Lautenklang

Melodie auf Reisen

Leih mir Dein Ohr

Leg es auf mich

Ich flüstre Dir in Deines

Zupf mir die Saiten überm Steg

Lass schwingen, was jetzt will

Leg her die Hand

Spür Körpers Klang

Und halte mich im Takte

Die Spannung steigt, die Spannung weicht

Lass nicht die Saiten reißen

Mein Hals so schlank

Schneckenberankt

An seinem Wirbelende

Komm her zu mir, ich zeige Dir

Den Schatz aus tausend Tönen

Lass Deine Finger elfengleich

Die Saiten zart vibrieren

Und wenn Du willst mit lautem Schlag

Die Düsternis vergraulen

Gleite samten gleite hart

Ziehe, zupfe, streiche

Mit Vibration und Passion

Im Harmonien-Reiche

Ich mach die Töne glockenhell

Ich mach sie tief und dunkel

Je nach dem, wie gut, wie schnell

Du Deine Finger tanzen lässt

Und Deine Hände fühlen

So werd ich raunen, werd ich schrei’n

Werd schmelzen, weinen, stöhnen

Werd heftig und sensibel sein

Komm lass uns uns verwöhnen  




   SchattenMädchen

Wenn sich PflanzenReste finden

Sich tanzend nähern und doch flieh´n

Wenn sie die Schatten ihrer selbst

Sich unbekannten Reigen fügen

Je nach Licht sich konturieren

Figurenträchtig fantasieren

Dann lässt ein SchattenMädchen müde

Die Haare wehen durch die Welt

Die Füße auf der SchattenWiese

Die mühsam sie am Boden hält

Bis Glocken blau herüberschwingen

Und alte Träume neu gemischt



    Salto Hortale

 

Die Stockrosen hüten die Treppe zum Haus

Rubinrot zuerst jetzt auch violett

Ringelblumen wetteifern gelb gegen orange

Dazwischen der Mohn seidenzart feurig

Rankende Rosen Samt dunkelrot

Hinten die Kerzenblüten tief lila

Nicht zu vergessen der duftende Phlox

Hellrosa und weiß bis coelin und azur

Nachtkerzen stecken die Lichter an

Lilienknospen pralle Verheißung

Cremefarben neugierig schon erblüht

Windgestreut Rosenblätter auf den Weg

Fremden Prinzessinnen märchenfern

Rittersporne säumen den Pfad

Grüne Äpfel still reifend am Baum

Die Wiese atmet schon Abendfrische

Vergangene Nächte leben auf

Hoch oben lustvoll in großen Bögen

Die wildfrohen Schwalben schreien im Wind

Entspannt die Katze in wohligem Ahnen

Fern aller Schrecken dahingestreckt

Hier und da lugen aus vielblättrigem Grün

Walderdbeeren winzig verlockend

Der Helianthos strahlt noch Wärme vom Tag

Und läutet doch langsam den Mondschein ein

Ein heißer Freitag geht über in Nacht